Leider gibt es immer noch Menschen, die den Bitcoin als ein reines Zahlungsmittel für Kriminelle sehen. Speziell das sogenannte Darknet wird von Krypto-Skeptikern gerne mit dem Bitcoin in Verbindung gebracht. Doch was ist an diesen Behauptungen dran? Ist der Bitcoin wirklich DIE Währung schlechthin für fadenscheinige Geschäfte im Internet? Um diese Fragen beantworten zu können, müssen vorher noch einige Begriffe geklärt werden.

Was sind das Clearnet, das Deep Web oder das Darknet?

Das Clearnet ist das gewöhnliche Internet, welches jeder von uns nutzt. Dabei können Webadressen (URL) über den Internetanbieter erreicht werden. Das herkömmliche Internet beinhaltet unverschlüsselte Inhalte, die von Suchmaschinen indexiert (“abgescannt”) und dadurch in den Suchergebnissen erfasst werden. Alle drei Teilbereiche, also das Clearnet, Deep Web und sogar das Darknet sind miteinander verbunden.

  • Das Deep Net

Der Begriff Deep Net erinnert an die tiefe See, geheimnisvoll und unergründet – es wird auch Deep Web oder sogar Hidden-Internet (verstecktes Internet) genannt. Letztlich ist es aber weniger geheimnisvoll, als es klingt, denn es unterscheidet sich maßgeblich vom Darknet. 

Der Zugang erfolgt wie beim Clearnet über eine bestimmte Adresse. Die Verbindung wird auch hier über den Internetprovider hergestellt. Das Besondere, die Inhalte dieser Webseiten werden meist nicht von Suchmaschinen indexiert, weshalb sie nicht in den Suchmaschinenergebnissen (SERP) erscheinen – zudem sind sie in der Regel verschlüsselt. Beispiele dafür wären diverse Datenbanken, Backends für Inhalte bestimmter Gruppen oder Firmen und speziell Bezahlseiten, wie jene des Online-Bankings.

  • Das Darknet

Das Darknet bezeichnet ein Teilbereich des Deep Web, welches nicht auf herkömmliche Weise erreichbar ist. Zwar handelt es sich um einen verborgenen Bereich des Internets, der aber nicht vom generellen Web (Clear Web) getrennt ist.

Was das Darknet des Internets vom Deep Net maßgeblich unterscheidet ist, dass Darknet-Seiten nicht mittels herkömmlicher Browser und Suchmaschinen auffindbar sind. Es basiert auf Anonymisierungsnetzwerken, wie dem TOR-Netzwerk (The Onion Router). Ein Overlay-Netzwerk, welches im Grunde über die herkömmliche TCP-Verbindung „gestülpt“ wird und dadurch eine Anonymisierung der Verbindungsdaten ermöglicht.

„Onion“ (dt. Zwiebel) bezieht sich auf die vielen Schichten an verschlüsselten Weiterleitungen zwischen Servern bis hin zur Exit-Node (der Zielseite im Darknet resp. der Identität der Darknet-Nutzer). Jede einzelne „Zwiebelschicht“ bzw. Server oder auch Node, kommuniziert dabei ausschließlich mit der jeweils vor- und hinter ihm liegenden Schicht. Dieses System macht TOR-Netzwerke äußerst sicher und anonym. Eine Rückverfolgung wird dadurch nur schwer möglich, aber keinesfalls unmöglich.

Definition Silkroad, Zugehörigkeit

Der Name Silkroad, zu Deutsch Seidenstraße, ist eine Anspielung auf die bekannte antike Handelsroute, welche den Mittelmeerraum mit Ostasien verknüpfte. Bei Silkroad in Bezug auf das Darknet handelt es sich um einen 2011 gegründeten virtuellen Online-Schwarzmarkt, der auf einem Tor-Netzwerk betrieben wurde. Selbst bezeichnete sich Silkroad als „anonymer Marktplatz“, in welchem hauptsächlich mit digitalen Gütern und Drogen gehandelt wurde.

Die Silkroad Ära war jedoch von kurzer Dauer. Bereits im Jahr 2013, nur zwei Jahre nach der Gründung, nahmen die US-Strafverfolgungsbehörden den mutmaßlichen Initiator der Plattform, Ross William Ulbricht, (Pseudonym – Dread Pirate Roberts) fest und beschlagnahmten die in Island lokalisierten Server. Der Schöpfer hinter Silkroad, Ross William Ulbricht, wurde später durch ein New Yorker Bundesgericht in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen und zu einer zweimal lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt.

Was hat Bitcoin mit dem Darknet zu tun?

Der Grund, warum heute noch viele den Bitcoin mit illegalen Handlungen im Darknet in Verbindung bringen, steht im Zusammenhang mit dem geschlossenen Darknet Marktplatz Silkroad. Da sich in diesem Netzwerk alles um Anonymität drehte, verwendeten die Nutzer den Bitcoin als Hauptzahlungsmittel. Einfache, unveränderbare und grenzüberschreitende Transaktionen mittels eines dezentralen anonymen Netzwerks schienen wie geschaffen für diese Aktivitäten. Tatsächlich war der damalige Ansturm auf Silkroad der Hauptgrund für den 2013er Bullrun, bei dem Bitcoin zum ersten Mal die 30 Dollar-Marke überschritt.

Nachdem jedoch die US-Strafverfolgungsbehörden dem Silkroad Gründer genau wegen der Unveränderlichkeit der Bitcoin Datenbank auf die Spur kamen, indem sie die Transaktionen zurückverfolgten – änderte sich alles. Die Schließung von Silkroad war ein absoluter Gewinn für die Reputation der Krypto-Branche.  

Bitcoin als DAS Werkzeug für Kriminelle? Ein längst überholtes Klischee!

Einige Skeptiker schätzen Bitcoin trotzdem noch als die bevorzugte Währung von Kriminellen ein. Studien und Analysen veranschaulichen jedoch, dass dies nicht ansatzweise der Fall ist. Die größte Analyseplattform im Bereich der Krypto-Kriminalität „Chainalysis“ kam in einer Studie aus dem Jahr 2020 zu dem Schluss, dass die Anzahl der kriminellen Transaktionen unter einem Prozent liegt. Der US-amerikanische Thinktank „Foundation for Defense of Democracies“ kam auf dieselbe Zahl.

Auch die angesehene amerikanische Elite-Uni MIT, in Kollaboration mit Elliptic, soll laut eigenen Angaben Bitcoin-Transaktionen analysiert und den prozentualen Anteil an kriminellen Aktivitäten auf rund 2% beziffert haben. Vor diesem Hintergrund ist der Anteil an krimineller Energie bei Bitcoin nicht höher als bei herkömmlichen Währungen.

Falls neuere Studien hierbei auf andere Zahlen kommen, bezieht sich das höchstwahrscheinlich auf Kryptowährungen allgemein. Das hat mit dem Bitcoin selbst nichts zu tun, sondern eher mit gewissen alternativen Coins wie Monero. Bei diesen handelt es sich um sogenannte „Privacy Coins“, die deutlich mehr Privatsphäre ermöglichen und es den Behörden wesentlich schwieriger machen, Transaktionen nachzuverfolgen.

Stigmatisierung und anfangs schlechtes Image für Bitcoin – kontinuierlicher Wandel

Hatte der Bitcoin anfangs ein schlechtes Image, so hat sich dies inzwischen völlig geändert. Mit der Schließung des großen Drogen-Handelsplatzes Silkroad erfolgte eine Trendwende. Die Zeiten, in denen Kriminelle ihre Geschäfte über Bitcoin ungehindert abschließen konnten, waren vorbei. Die Strafverfolgungsbehörden weltweit fanden Wege, mittels Software und Instrumenten den Darknet-Transaktionen auf die Spur zu kommen und die Kriminellen vor Gericht zu bringen. Dadurch nahm auch die Beliebtheit des Bitcoins innerhalb gesetzloser Kreise enorm ab. Diese Entwicklung wird durch Daten und Fakten bestätigt. Zum Vergleich:

Laut dem Jahresbericht von Chainalysis 2021, betrug der Anteil im Jahr 2019 von zurückführbaren kriminellen Aktivitäten mittels Kryptowährungen 2,1% des Gesamttransaktionsvolumens. Bis zum Jahr 2021 fiel dieser Anteil auf nur 0,34% des Gesamtvolumens. Das heißt, das Kontingent krimineller Nutzung von Kryptowährungen ist mittlerweile verschwindend gering und schrumpft jährlich weiter. Studien zufolge ist der Gesamtanteil von Krypto-Transaktionen, die auf Darknet-Dienste zurückzuführen sind, vom Jahr 2015 bis 2020 um 90% gesunken. Nicht zu vergessen, dass diese Zahlen sich auf Kryptowährungen allgemein beziehen – der bloße Bitcoin-Anteil ist wahrscheinlich noch viel geringer.

Der Erfolgszug des Bitcoins und das sich verbessernde Image kam der digitalen Währung zugute und führte zu einem Bewusstseinswandel. Dadurch erlangte der Bitcoin nach und nach den Stempel des digitalen Vermögenswertes, weshalb er den Weg in das Portfolio vieler Investoren fand. Aber auch zahlreiche Unternehmen und sogar Regierungen erkannten das Potenzial des Bitcoins.

Darunter Lieferando, Shopify, Microsoft, Dell und sogar einige Fluggesellschaften. Selbst Regierungen wie beispielsweise Japan akzeptierten den Bitcoin bereits als Zahlungsmittel. Das Land El Salvador hat den Bitcoin sogar zum staatlichen, offiziellen Zahlungsmittel erklärt.

Fazit – das Darknet Image verblasst

Eine Blockchain ist ein von Natur aus transparentes und unveränderliches Datenbuch. Bargeld hingegen, ist ein von Grund auf anonymes Zahlungsmittel, denn die Weitergabe ist ohne Identitätsnachweis möglich. Letztlich ist Bargeld wesentlich besser für undurchsichtige Machenschaften geeignet als digitale Währungen.