Kryptowährungen und Tokenisierung eröffnen neue Gesellschafts- und Unternehmensmodelle. Eines dieser neuartigen Modelle sind sogenannte Governance-Token. Diese Token fallen unter die Kategorie der Utility-Token. Kurz gesagt, ein Utility Token kann verwendet werden, um bestimmte Rechte auszuüben oder um Zugang zu Produkten bzw. Dienstleistungen zu erhalten, die von einem Protokoll angeboten werden. Governance-Token hingegen geben generell den Eigentümern das Recht, über Themen abzustimmen, die die Weiterentwicklung und den Ablauf eines Blockchain-Projekts bestimmen.

Egal ob Produkte, Dienstleistungen oder sonstige Blockchain-Projekte, allesamt befinden sich ausschließlich im Besitz der Nutzer und werden für und von den Gemeinschaften entwickelt und verwaltet. Diese Communities bestehen aus Mitgliedern aus allen Teilen der Welt, mit unterschiedlichen Hintergründen und Fähigkeiten. Diese internationalen Netzwerke erforschen mit Hilfe der Blockchain-Technologie und Governance-Token neue und innovative Wege. Diese sollen helfen, die Gemeinschaft zu fördern und gemeinsame Werte auszutauschen, während sie sich gleichzeitig neuen Herausforderungen in Bezug auf Koordination, Verwaltung und Entscheidungsfindung stellen.

Diesen neuartigen Koordinationsherausforderungen kann mit dem Einsatz von Governance-Token begegnet werden. Deshalb werden sie zunehmend von Communities als wesentliche und innovative Methode eingesetzt, um Entscheidungen über Zeit, Raum und Sprache hinweg sinnvoll treffen zu können. Es stellt de facto eine effiziente Möglichkeit für Protokolle, Unternehmen oder anderweitige Blockchain-Projekte aller Art dar, die Entscheidungsbefugnis an ihre Communitys zu übertragen und die Verwaltung zu dezentralisieren. Durch dieses dezentrale Governance-Modell sollen die Interessen der Token-Inhaber mit denen des Projekts in Einklang gebracht werden.

Was unterscheidet Governance-Token von anderen Kryptowährungen?

Es gibt diverse Kategorien von Coins und Token in der weiten Welt der Kryptowährungen. Beispielweise gibt es die klassichen Kryptowährungen wie Bitcoin, welche als reines Zahlungsmittel dienen, aber auch Security-Token, Fan-Token oder Utility-Token. Allesamt mit unterschiedlichen Eigenschaften und Nutzen.

Governance-Token stellen auch eine dieser Kategorien dar. Dabei handelt es sich um Eigentumsrechte an einem dezentralen Protokoll. Sie verleihen den Token-Inhabern bestimmte Rechte, die die Entwicklung des Protokolls beeinflussen. Dazu kann gehören, welche neuen Produkte oder Funktionen entwickelt werden, wie ein Budget ausgegeben wird, welche Integrationen oder Partnerschaften angestrebt werden sollen und vieles mehr. 

Im Allgemeinen kann dieser Einfluss in verschiedenen Formen ausgeübt werden. Beispielsweise können Inhaber von Governance-Token über einen formellen Antragsprozess Änderungen vorschlagen. Wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind und der Vorschlag zur Abstimmung gestellt wird, können die Inhaber von Governance-Token dann ihre Token verwenden, um über die vorgeschlagenen Änderungen abzustimmen. Die spezifischen Mechanismen und Prozesse, über die diese Rechte ausgeübt werden, sind bei den verschiedenen Protokollen unterschiedlich.

Governance-Token und DAOs

Insbesondere mit den Erfolgen in der dezentralen Welt der Blockchain in den letzten Jahren, suchen immer mehr Projekte nach Möglichkeiten, mehr Befugnisse und Verantwortung an ihre Nutzer zu verteilen. Eine Möglichkeit, um das zu erreichen, besteht darin, eine besondere Art von kollektiv verwalteter Organisationsform zu schaffen, die als dezentrale autonome Organisation (DAO) bekannt ist. Diese Unternehmen wollen eine zentrale Verwaltung vermeiden, indem sie die Autorität vollständig in die Hände der beteiligten User legen. Damit die dezentrale, gerechte Verwaltung funktioniert, wurde mit Governance-Token eine Methode gefunden, die sicherstellt, dass sich nur Nutzer beteiligen, die sich ernsthaft für den Erfolg des Projekts engagieren. Dabei erwerben Teilnehmer Governance-Token, sprich sie tauschen Geld gegen Stimmrechte, was den Anteil jeder Person an der DAO repräsentiert. Dabei soll sichergestellt werden, dass alle Teilnehmer ehrlich handeln und ein wirkliches Interesse an der DAO haben. In der Regel haben diejenigen, die mehr Geld investieren, mehr Stimmrechte als diejenigen, die dies nicht tun. In der Regel strukturieren alle DAOs ihre Entscheidungsfindung mithilfe von Governance-Token. 

Der Unterschied von Governance-Token und DAOs zu klassischen Unternehmen?

Die meisten traditionellen Unternehmen werden von einem Vorstand oder einer kleinen Gruppe von Geschäftsführern geleitet, was man als zentralisierte Leitung bezeichnen kann. In börsennotierten Unternehmen hat beispielweisen ein konzentriertes Führungsgremium – in der Regel eine Kombination aus Vorstand, Aufsichtsrat und Aktionären – die alleinige Entscheidungsgewalt. Die Vorstände der größten weltweit agierenden Konzerne bestehen beispielsweise teils aus nur rund zehn Vorstandsmitgliedern, haben aber mehrere hunderttausend Beschäftigte. Die zentrale Führungsebende hat einen enormen Einfluss auf die Führung des Unternehmens. Die Vorstände können wichtige Führungskräfte ernennen oder entlassen, entscheiden, in welche Projekte investiert wird, und die Strategie des Unternehmens festlegen. Insbesondere das operative Tagesgeschäft als auch die langfristige, strategische Ausrichtung des Unternehmens wird in der Regel von diesen wenigen Personen entschieden.

Governance-Token bieten eine völlig neuartige Möglichkeit, Organisationen zu verwalten. Das für dezentrale autonome Organisationen (DAOs) und dezentrales Finanzwesen (DeFi) übliche Modell der Governance-Token bietet eine gerechtere, dezentralere und transparentere Steuerungsmethode.

DAOs unterscheiden sich von traditionellen Unternehmen dadurch, dass sie keine zentralisierte Gruppe von Entscheidungsträgern haben, aber sie müssen trotzdem Entscheidungen treffen, die die Zukunft des Unternehmens beeinflussen. DAOs treffen diese Entscheidungen im Rahmen eines formell definierten Governance-Prozesses, der Vorschläge und Abstimmungen in der Community umfasst. Während DAOs viele verschiedene Arten der Verwaltung anwenden, ist ein gemeinsames Merkmal, das sie alle miteinander teilen, der Governance-Token. Da Governance-Token auf der Blockchain gespeichert sind, weisen sie bestimmte Eigenschaften auf, wie z. B. unveränderliches Eigentum und transparente Verteilung, wodurch sie ideal für die verteilte Entscheidungsfindung geeignet sind.

Angesichts hinzukommender flacher und verteilter Hierarchien sowie des Fehlens einer festgelegten Führung, wie sie in traditionell strukturierten Organisationen üblich ist, sind Governance-Token aus diesem Grund ein wesentlicher Entscheidungsmechanismus für dezentrale autonome Organisationen (DAOs).

Wie viel Stimmrecht erhalten Teilnehmer für ihre Governance-Token?

Wenn ein DAO-Vorschlag zur Abstimmung gestellt wird, haben die Inhaber von Governance-Token die Möglichkeit, ihre eigene Stimme abzugeben. In der Regel ist das Gewicht der Stimme eines Token-Inhabers proportional zur Anzahl der gehaltenen Token. In den meisten Fällen entspricht ein Token einer Stimme. Ähnlich wie bei Aktien, wo der Anleger in der Regel ebenfalls pro Wertpapier ein Stimmrecht hat. Wenn Antonia beispielsweise 200 Token und Brayan 50 Token besitzt, hat Antonia viermal so viel Stimmrecht wie Brayan. Jedoch kann sich das Abstimmungsschemata unter den jeweiligen Blockchain-Projekten unterscheiden. Die Stimmrechte können aber auch an andere Inhaber delegiert werden. Grundsätzlich sollen die Token und die damit verbundenen Rechte und Verantwortung die Gemeinschaft des Projekts zusammenbinden, damit sich die jeweiligen Blockchain-Projekte nachhaltig und effizient entwickeln können.

Wie funktionieren Governance-Token? 

Wie bereits erwähnt sind Governance-Token die Kernmethode zur Umsetzung einer dezentralen Verwaltung in DAOs, aber auch in DeFi- und dApp-Projekten werden sie häufig eingesetzt. Die Token-Inhaber stimmen über wichtige Fragen ab, um eine stabile Entwicklung der Projekte zu gewährleisten. In der Regel werden die Abstimmungen über Smart Contracts durchgeführt, wobei die entsprechenden Ergebnisse dann automatisch umgesetzt werden.

Die durch die Governance-Tokens gekennzeichneten Befugnisse können traditionelle Managementrollen und die Befugnis zur Änderung des Projektprotokolls, d. h. seiner Grundlage im Code, umfassen. Manchmal werden die Stimmen der Nutzer proportional zur Größe ihres Besitzes des Governance-Tokens gewichtet.

Um sicherzustellen, dass die Inhaber von Governance-Token ein Interesse am langfristigen Wohlergehen des Projekts haben, leiten Protokolle häufig einen Teil der Netzwerktransaktionsgebühren in die Wallets der Token-Inhaber. Die Token können auch mit Nicht-Governance-Rechten verbunden sein, z. B. mit dem Recht, gegen bestimmte andere Token zu vordefinierten Preisen getauscht zu werden. Governance-Token erhalten daher einen Teil ihres Wertes durch die Tatsache, dass sie ihren Inhabern bestimmte Befugnisse verleihen.

Was ist das Besondere an Governance-Tokens?

Governance-Token sind eine wichtige Unterkategorie der Utility-Token und der Vorläufer einer vollständigen Dezentralisierung. Governance-Token sind die ersten Kryptowährungen, die Abstimmungen auf einer Blockchain abbilden, indem sie die Befugnis, wichtige Plattformentscheidungen zu treffen, von einer zentralisierten Struktur auf eine ganze Gemeinschaft übertragen. Dies liegt daran, dass Token-Inhaber nicht nur Nutzer, sondern auch Eigentümer des Protokolls sind. Der Nutzen, den Governance-Token bieten, ist somit das Recht, die Richtung eines DAO-, DeFi- oder anderen Blockchain Protokolls zu beeinflussen.

Was sind die bekanntesten Governance-Token?

Während Governance-Token nicht für jedes Blockchain-Protokoll Sinn ergibt, sind sie für einige sehr sinnvoll. In diesem Abschnitt werden deshalb einige der bekanntesten Governance-Token und die mit ihnen verbundenen Organisationen und besonderen Eigenschaften aufgeführt, welche großartige Anwendungsfälle und einem interessanten Nutzen bieten.

Maker – MKR

Einer der ersten Governance-Token (MKR) wurde von MakerDAO ausgegeben. Dabei handelt es sich um eine Ethereum-basierte DAO, die die Grundlage für den krypto-besicherten Stablecoin DAI bildet.  Das Maker-Ökosystem ist eines der frühesten Projekte in der dezentralen Finanzszene (DeFi), welche versucht, dezentrale Finanzprodukte auf Smart-Contract-fähigen Blockchains wie Ethereum aufzubauen.

Das Maker-Protokoll wird von den Eigentümern der MKR-Token verwaltet. Diese Token geben den Inhabern ein Stimmrecht über die Entwicklung des Maker-Protokoll. Ein MKR-Token entspricht dabei einer Stimme, wobei die meisten Stimmen für eine getroffene Entscheidung abgegeben werden müssen. Die Token-Inhaber stimmen über eine Vielzahl von Themen ab, wie z. B. die Ernennung von Teammitgliedern, die Anpassung von Gebühren und die Verabschiedung neuer Regeln. Ziel ist es, die Stabilität, Transparenz und Effizienz des Stablecoins DAI von MakerDao zu gewährleisten.

Compound – COMP

Ein weiteres Beispiel ist Compound, ein DeFi-Protokoll, mit dem Nutzer Kryptowährungen leihen und verleihen können. Es gibt einen Governance-Token namens COMP aus, der es seiner Nutzergemeinschaft ermöglicht, über wichtige Unternehmensentscheidungen abzustimmen. Compound – COMP-Token-Inhaber regeln und verbessern in der Regel das Protokoll, indem sie entweder direkt an der Verwaltung teilnehmen oder ihre Stimmrechte an andere Adressen delegieren. Die Token werden im Verhältnis zur On-Chain-Aktivität der Nutzer zugeteilt, d.h. desto aktiver ein Teilnehmer auf Compound ist, desto mehr COMP-Token erhält derjenige. Ähnlich wie bei MakerDAO und anderen DAOs entspricht ein COMP-Token einer Stimme. Compound hat im Jahr 2020 die Kontrolle über den Verwaltungsschlüssel des Netzwerks komplett aufgegeben. Das bedeutet, dass das Projekt vollständig von seinen Token-Inhabern verwaltet wird, ohne dass es eine andere Verwaltungsmethode gibt.

Andere bemerkenswerte Governance-Token sind die von den dezentralen Börsen Uniswap und PancakeSwap, der DeFi-Lending-Plattform Aave oder der Web3 NFT-Community ApeCoin DAO. Jedoch gibt es noch viele mehr.

Grundsätzlich legt jedes Projekt unterschiedliche Regeln für die Funktionsweise seiner Governance-Token fest. Einige Governance-Token stimmen nur über eine bestimmte Anzahl von Governance-Themen ab, während andere über alle Anliegen des Projekts mitbestimmen. Einige Protokolle statten wiederum ihre Governance-Token mit besonderen Eigenschaften aus, die den Token-Inhabern zugute kommen, um sich von anderen Anbietern abzuheben. 

Vor- und Nachteile von Governance-Token

Vorteile 

Governance-Token haben einige bedeutende Vorteile. Sie können die unterschiedlichen Interessen berücksichtigen, die bei einer zentralisierten Verwaltung häufig untergehen. Die durch Governance-Token ermöglichte dezentrale Verwaltung überträgt die Verwaltungsbefugnis an eine breite Gemeinschaft von Stakeholdern, wodurch die Interessen der Nutzer und der Organisation selbst in Einklang gebracht werden.

Ein weiterer Vorteil von Governance-Tokens ist die Möglichkeit, aktive, kollaborative und enge Gemeinschaften aufzubauen. Jeder Token-Inhaber hat einen Anreiz, abzustimmen und das Projekt zu verbessern. Da ein Token meist einer Stimme entspricht, kann er die Grundlage für eine faire und gerechtere Entscheidungsfindung schaffen. Jeder Token-Inhaber kann einen Vorschlag einbringen, über den abgestimmt werden soll. Die Details jeder Abstimmung sind für jeden einsehbar, was die Gefahr des Missbrauchs senkt.

Nachteile

Die größte Herausforderung bei diesen Token ist das so genannte Wal-Problem. Wale sind Personen, die einen großen Prozentsatz einer bestimmten Kryptowährung halten. Wenn die größten Wale eines Krypto-Projekts einen erheblichen Anteil des Gesamtangebots an denToken halten, könnten sie den Abstimmungsprozess zu ihren Gunsten beeinflussen. Die Projekte müssen sicherstellen, dass der Tokenbesitz wirklich dezentralisiert und gleichmäßig verteilt ist.

Aber selbst, wenn die Governance-Token fair und breit verteilt sind, gibt es keine Garantie, dass die Mehrheitsentscheidungen immer die besten für die Projekte sind. Wahlsysteme mit nur einer Person und nur einer Stimme haben eine lange Geschichte und ihre Erfolgsbilanz ist gemischt. Es gab seltene Fälle, in denen die Inhaber von Governance-Token zugunsten der Gründerteams und Großinvestoren und auf Kosten der breiteren Gemeinschaft abgestimmt haben.

Herausforderungen von Governance-Token

Es gibt viele Gründe, sich für Governance-Token zu begeistern und für das, was sie für eine dezentralisierte Zukunft bieten. Soeben wurden die wesentlichen Vor- und Nachteile von Governance-Token aufgezeigt. Nun liegt der der Fokus auf derzeitige, wichtige Herausforderungen für diese Token, welche erst noch überwunden werden müssen und die es deshalb ebenfalls zu beachten gilt.

Gefahr einer Plutokratie

Plutokratie beschreibt eine Staatsform, in der die Besitzenden, insbesondere die Reichen die politische Herrschaft und Entscheidungsgewalt innehaben und ausüben. Hinsichtlich Governance-Token war es insbesondere in der Vergangenheit und immer noch in einigen Fällen in der Gegenwart so, dass ein signifikanter Teil der Token an eine kleine Gruppe von Gründern, Teammitgliedern und Investoren verteilt wird, wodurch diese die Mehrheit der Entscheidungsfindung kontrollieren. Um dies zu vermeiden, entscheiden sich immer mehr Projekte für einen “fairen Start”, bei dem die Governance-Token vollständig an die Nutzer der Plattform verteilt werden. Dennoch kann dies immer noch dazu führen, dass wohlhabende Wale große Positionen einnehmen und folglich einen übergroßen Einfluss auf die Governance gewinnen, aber das Risiko wird grundsätzlich minimiert.

Das Problem der Sperrfristen

Die meisten Coins und Token, ebenso auch Governance-Token, sind nach einem ICO in der Regel an einer Sperrfrist gebunden. Das bedeutet, dass bei der ersten Einführung eines Tokens der reduzierte Streubesitz den Fully Diluted Value eines Projekts in die Höhe treiben kann. Damit soll die Integrität und langfristige Ziel des Projekts untermauert werden, da die Besitzer, deren Positionen einer Sperrfrist unterliegen, ein Interesse am Erfolg des Projekts haben. Jedoch kann es nach Ablauf der Sperrfrist zu einem Angebotsschock kommen, da die Positionen liquidiert werden. Dies hat aber enorme Auswirkungen auf Governance-Abstimmungen und den Gesamtmarktpreis insgamt. 

Hürden aufgrund regulatorischer Unsicherheiten

In den meisten Fällen sitzen die Regulierungsbehörden weltweit auf dem längeren Hebel in Hinblick auf Kryptowährungen. Dies gilt insbesondere für Kryptowährungen, deren Regulierung bekanntermaßen schwierig ist und in einigen Fällen sogar zu Streitigkeiten zwischen den Regulierungsbehörden selbst führt. 

So etwa beispielsweise in den USA. Die dort ansässige Regulierungsbehörde „Securities and Exchange Commission (SEC)“ und die „Commodity Futures Trading Commission (CFTC)“ stritten sich darüber in welchen Regulierungsbreich Kryptowährungen und folglich auch Governance-Token fallen. Beide Regulierungsbehörde streben natürlich unterschiedliche Ansätze an, was die Marktlage und Anleger verunsichert. Insbesondere die mögliche Einstufung der Governance-Token als Wertpapapier verunsichert viele Projekte und Investierte.

Aber auch hierzulande und in der EU allgemein schwebt über den Projekten mit Governance-Token auch die Gefahr, als Wertpapier eingestuft zu werden. Bis in der Zukunft endgültige Entscheidungen fallen, dürfte es daher weiter unklar bleiben. 

Die Zukunft von Governance-Tokens

Die Zukunft von Governance-Token ist, wie fast alles in der heutigen Kryptowelt, mit Möglichkeiten und Unsicherheiten verbunden. Was die Zukunft bringt, hängt von entscheidenden Faktoren ab, wie z. B. den Vorschriften und möglicher regulatorischer Änderungen (z. B. welche Arten von Token als Wertpapiere gelten), der Annahme von DAO-Betriebsmodellen (z. B. inwieweit entscheidende Aktivitäten auf der Kette stattfinden) und technologischen Innovationen (z. B. neue Token-Standards). 

Als Innovation, die aus dem Kryptobereich stammt, könnten Governance-Token in weiteren Sektoren Verwendung finden. Die Web3-Bewegung ist ein Bereich, in dem Governance-Token zum Aufbau eines dezentralisierten Internets beitragen können.

Governance-Token helfen auch DeFi-Projekten, ihr volles Potenzial zu erreichen, indem sie wirklich dezentralisiert werden. Sie werden wahrscheinlich auch in absehbarer Zukunft ein wichtiger Bestandteil des Schutzes der Gemeinschaft und des Interesses der Investoren an dem System sein, weiterer Protokolle, dApps und Spiele dezentralisieren und demokratisieren. 

Governance-Token werden sich insbesondere effizient weiterentwickeln, um Probleme zu lösen, sobald sie auftauchen. Es könnte neue Mechanismen geben, um mit dem Wal-Problem umzugehen oder andere Wege, um den Abstimmungsprozess zu verbessern. Es könnten neue Methoden der Stimmrechtsübertragung entstehen. Im Laufe der Zeit werden die Governance-Systeme wahrscheinlich komplexer werden, während gleichzeitig immer wieder neue Innovationen entstehen. Die Eigentümer werden in ihren Gemeinschaften aktiver und partizipativer werden. Governance-Protokolle werden es einer Gruppe ermöglichen, kollektiv zu entscheiden, wie die neuen Krypto-Netzwerke, die den Kern der dezentralen Finanz- und Produktionsstrukturen der Zukunft bilden werden, zu verwalten sind.

Deshalb werden Governance-Token zweifellos eine tragende Säule und eine wesentliche Komponente bei der Verbreitung und Annahme von dezentralen, nutzergeführten Netzwerken sein. 

Sollte die Realwirtschaft die Einführung von Blockchain und Governance-Token in Betracht ziehen?

Neben den vielen potenziellen Vorteilen für die Verwaltung gibt es einige wichtige Gründe für Unternehmen und Behörden, die Nutzung der Blockchain-Technologie und Governance-Token in Betracht zu ziehen. Zu den Hauptgründen gehören eine stärkere Dezentralisierung, Datenintegrität und Transparenz sowie eine höhere Effizienz und geringere Betriebskosten. Dennoch gibt es noch etliche offene Fragen, welche zuerst geklärt werden müssen, bevor Governance-Token tatsächlich der Realwirtschaft Fuß fassen.

Fazit

Governance-Token befinden sich noch in der Anfangsphase der Entwicklung. Sie haben das Wachstum vieler dApp-, DeFi– und DAO-Projekte immens gefördert. Mit der Möglichkeit, über die Verwaltung der Projekte abzustimmen, sind diese Token ein wichtiger Eckpfeiler der Dezentralisierung. 

Das Prinzip “ein Token, eine Stimme” stellt die Nutzer und die Gemeinschaft in den Mittelpunkt. Kriterien wie beispielweise Herkunft, Alter, Geschlecht oder Glaube, spielen dabei keine Rolle. Entscheidend ist nur, dass die Token relativ gleichmäßig auf die Mitglieder der Gemeinschaft verteilt werden. Governance-Token werden in Zukunft weiter entwickelt und bekannter werden. Von Nutzern betriebene Netzwerke, Web3-Projekte bis hin zu Spielen können Governance-Token eingesetzt werden, um lebendigere dezentralisierte Ökosysteme den Einzug in die Mitte der Gesellschaft zu ebnen.